MUM im Praktikum in Deutschland

24.7.2011

MUM na stáži... - v němčině

Zufriedenheit, Flexibilität und Effektivität am Arbeitsplatz – das sind die flexiblen Arbeitsformen in Deutschland.
 
In Prag am 20. 5. 2011 – Der Bürgerverein MUM HorníPočernice realisiert in dieser Zeit das Projekt Arbeit und Leben im Gleichgewicht. Im Rahmen der Aktivität Flexible Arbeitsformen haben wir wertvolle Daten und Erfahrungen im deutschen Brunsbüttel gesammelt.


Das Projekt Arbeit und Leben im Gleichgewicht

 

Der Bürgerverein MUM HorníPočernice realisiert aus den Mitteln der Europäischen Union in dieser Zeit ein Aufklärungs- und Bildungsprojekt Arbeit und Leben im Gleichgewicht. Das Ziel dieses Projekts ist die Erweiterung von Arbeitsmöglichkeiten für die benachteiligten Personen, das heißt für die Eltern, die ein abhängiges Familienmitglied pflegen.


Eine der Schlüsselaktivitäten des Projekts ist die Aufklärungs- und Beratungstätigkeit im Bereich der flexiblen Arbeitsformen. Die aktuelle Anzahl der flexiblen Arbeitsverhältnisse in der Tschechischen Republik ist ca. 6 %, in Deutschland ist es 28 %, in den Niederlanden z.B. 46 %. Dadurch wird unmittelbar deutlich, dass die Flexibilität des Arbeitsmarktes in Tschechien sich am Anfang befindet, am Anfang ihres Wegs zur Veränderung unseres Denkens und unserer Ansicht auf das Arbeit- und Familienleben des Menschen.


Die Vertreterinnen des Familienzentrums MUM HorníPočernice Barbora Zálohová a Jitka Jandáková haben die deutsche Stadt Brunsbüttel besucht, um sich bei dortigen Firmen und Organisationen nach dem Funktionieren der flexiblen Arbeitsverhältnisse in der Praxis zu erkundigen.


Flexible Arbeitsformen in Deutschland

 

In 5 Firmen und im Rathaus zu Brunsbüttel selbst haben wir verschiedene Arbeitsformen von geläufigen Teilzeitverhältnissen, über die Arbeit von zu Hause, bis zur Teilung eines Arbeitsplatzes untersucht. Wir haben nicht nur objektive Daten gesammelt, sondern wir haben auch den subjektiven Hintergrund wahrgenommen, warum arbeitet man hier deutlich mehr flexibel, effektiv und vor allem mit Lachen.


Allgemein haben sich die Arbeitgeber geeinigt, ermögliche man den Arbeitnehmern nach ihren Wünschen und ihrer Familienlage zu arbeiten, komme es zu beträchtlicher Erhöhung ihrer Zufriedenheit, Effektivität und Motivation für die Arbeit. Mehrere Arbeitnehmer für kleinere Arbeitsverhältnisse anzustellen, bringt mehr Flexibilität und löst z.B. die Krankheit des Arbeitnehmers, den Urlaub oder eine nötige plötzliche Sorge für ein Familienmitglied.


Andererseits brauchen die Arbeitnehmer im Bezug auf ihre Familienlage oft Sonderbedingungen, es reicht ihnen nicht bloß die Vollzeitverhältnis – Variante. Ihr Arbeits- und Familienleben ist dann im Einklang, sie sind zufrieden, nicht unter Druck und frustriert.


Diese Tatsache unterstützt auch die gesetzliche Regelung des deutschen Arbeitsgesetzbuches – es handelt sich um das Gesetz über Teilzeitarbeit für die Eltern, die nach der Elternzeit in die Arbeit zurückkehren. Das Gesetz ist seit 1. 1. 2001 in Kraft getreten.


Das Rathaus zu Brunsbüttel

 

Zum Beispiel am Rathaus in Brunsbüttel gibt es 25 Arten von Arbeitsverträgen bei der Gesamtzahl von 220 Angestellten. Der Bürgermeister der Stadt berichtet: „Die Zufriedenheit unserer Angestellten ist für uns sehr wichtig, wir behandeln jeden individuell. Wir wollen uns unsere ausgebildeten und befähigten Angestellten beibehalten, und somit Fluktuation meiden.“ Die Angestellte der IT Abteilung, eine Mutter von 4 Kindern, arbeitet in Teilzeit 30 Stunden wöchentlich und ein Teil der Arbeit – 10 Stunden pro Woche – übt sie von zu Hause aus. Nur bei Seite kann erwähnt werden, dass diese befragte Angestellte den Begriff flexible Arbeitsformen nicht kennt, weil es sich hier offenbar um eine ganz übliche, nicht näher spezifizierte Erscheinung handelt.


Supermarkt

 

Im kommerziellen Sektor haben wir den Besitzer der Supermarktkette Frauen besucht, Herrn Peter Frauen. Im Milieu eines Supermarkts wäre es unmöglich gewesen, alle Dienste der Verkäuferinnen nur aus Vollzeitverträgen zu bedecken – hier teilt man die Arbeit in verschiedene Teilzeitverhältnisse. Die Arbeitsverträge mit geringfügig Beschäftigten, die sog. 400 EUR Arbeitskräfte, benutzt der Arbeitgeber nur für die Mitarbeiter, die morgens und nachmittags die Ware auslagern. Nur ein Viertel der Gesamtzahl von Angestellten arbeitet in Vollzeit.


Buchgeschäft


Eine Besonderheit stellte für uns der Besuch im Buchgeschäft Schopf dar, wo fast die einzige Form des Arbeitsverhältnisses das sog. Jahrkonto der Arbeitsstunden war. Sein Besitzer Dietrich Wienecke hat uns erläutert, es sei in seinem zeitlich anspruchsvollen Betrieb die meist optimale Lösung: „Mit jedem Mitarbeiter stellen wir seine eigene Gesamtzahl der Stunden fest, die pro Jahr abzuarbeiten sind. Der Mitarbeiter bekommt also regelmäßig seinen durchschnittlichen Monatslohn und es liegt an ihm, was für eine Stundenzahl er am Jahresende ausweist. Etnweder hat er Überstunden, die er bezahlt bekommt, oder es fehlen ihm noch irgendwelche, die im nächsten Jahr abzuarbeiten bleiben.“ Wozu solche Kompliziertheit, haben wir gefragt? „Jeder Mitarbeiter hat andere Bedürfnisse und persönliche Möglichkeiten, jemand hat kleine Kinder, der andere pflegt mit seinem Hund Gassi zu gehen und so kommt sich jeder auf seine Kosten und bringt seine Arbeit in Einklang mit den anderen. Im Falle der Krankheit und des Urlaubes ist es für uns kein Problem, mit einer so hohen Zahl der Mitarbeiter die leere Stelle im Arbeitsplan zu bedecken. Außerdem bietet unser Software im Geschäft als Bonus die Evidenz der Arbeitszeit auf einer Chipkarte für jeden Mitarbeiter an. Was die Abzüge an Versicherung betrifft, ist es möglich, sie erst am Jahresende abzusenden, wenn die reale abgearbeitete Stundenzahl bekannt ist.“


Chemischer Betrieb


Ein sehr interessantes Treffen war der Besuch bei der Geselschaft Sasol Germany GmbH, einem großen chemischen Betrieb. Der Ausbildungsleiter Wolfgang Pfeffer hat uns fast unglaubliche Kombinationen von Arbeitsposten vorgestellt, und das sogar im Schichtbetrieb. Es war für uns nicht einfach, uns in den Stundenzahlen zu orientieren, trotzdem bringt diese scheinbar hohe Mathematik weitreichende positive Ergebnisse in der Praxis, wie immer besetzte Arbeitsplätze von einem ausgeruhten, zufriedenen und leistungsfähigen Mitarbeiter. Wie sagte auch der Ausbildungsleiter Herr Pfeffer selbst: „Ich habe eine Assistentin, also besser gesagt eine Stelle für Assistentin, die aber von 3 Frauen geteilt wird. Es ist mir ganz egal, welche von ihnen dort ist, es ist am wichtigsten, dass die Stelle funktioniert und die Mitarbeiterinnen zufrieden sind. Ich kann davon nur profitieren.“ Es handelt sich also um eine geteilte Stelle und wir haben gefragt, wie man die Übergabe der Arbeit und die Kontinuität des Arbeitsprozesses  besorgt. Die Mitarbeiterinnen überdecken sich um eine halbe Stunde, in der es zur Übergabe der Arbeit kommt. Falls eine von ihnen krank ist, oder im Urlaub ist, besorgen sie selbst den Ersatz, sodass ich mich damit nicht beschäftigen muss.“ Behauptet Herr Pfeffer lachend. Die Firma Sasol hat 520 Mitarbeiter und davon arbeiten 8 % flexibel und das insgesamt des Schichtbetriebes!


Reziprok...


Als Vergeltung haben wir dem Rathaus zu Brunsbüttel angeboten, ein Seminar und einen Workshop auf Thema „Selbstfinanzierung von nicht gewinnorientierten Organisationen – fundraising“ zu veranstalten Unter Teilnahme der Vertreter von 9 Organisationen haben wir einen halben Tag von den Möglichkeiten im Finanz-, Sach- und Menschen resource Bereich gesprochen. Das Seminar brachte positive Reaktionen und es wurde uns die partnerschaftliche Zusammenarbeit an den gelegentlichen internationalen Projekten angeboten.


Zum Schluss


Das Familienzentrum MUM will im folgenden Halbjahr die erworbenen Erfahrungen und Fakten veröffentlichen, will Seminare und Workshops von Möglichkeiten der Anwendung von flexiblen Arbeitsformen am Arbeitsplatz für die potenziellen Arbeitnehmer und Arbeitgeber anbieten. Der Output wird dann eine praktische Publikation sein, die die Lage in der Tschechischen Republik und in Deutschland beschreibt und auf die Möglichkeiten der Einführung von flexiblen Arbeitsformen bei uns hinweist. In der Zukunft möchten wir eine internationale Konferenz auf das Thema flexible Arbeitsformen unter Teilnahme Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Regierungsvertreter veranstalten. Wir möchten dazu beitragen, dass der Prozess der Veränderungen im  Arbeitsgesetzbuch der Tschechischen Republik anfängt.


Der Bürgerverein MUM führt zurzeit eine Umfrage – Untersuchung durch, untersucht die Informiertheit der Bevölkerung über die flexible Arbeitstätigkeit in der Tschechischen Republik.

 


Familienzentrum MUM, Prag – Horní Počernice
Barbora Zálohová, Projektleiterin
775 720 584
barbora.zalohova@rcmum.cz

Kontakt

MUM - Rodinné centrum
Mezilesí 2058
Praha - Horní Počernice
193 00

Tel.: 281 926 727
(po-pá 9-12, út 15-18)
Mobil: 775 720 584
e-mail: info@rcmum.cz

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